Bahnenware oder Breitware

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Der Unterschied macht es aus

Eine besondere Erweiterung der derzeitigen Markisenpalette bietet das Angebot des Markisentuches als „Breitware“ (Verkaufsanteil ca. 20% der Gesamtmarkisen, jetzt rückläufig).
Die Breitware kann den webtechnischen Gegebenheiten entsprechend bis zu einer Breite von 3,25 m gewebt werden. Dem gegenüber steht die Bahnen- oder auch Normalware mit einer konstanten Breite von 1,20 m.
Ein gewünschtes Breitenmass für eine Markise ergibt sich bei der Breitware aus der Weblänge (Kettlänge). Die Ware wird nahtlos quer verarbeitet und weist dementsprechend eine Querstreifenmusterung auf.Die Normalware wird zur Erreichung einer gewünschten Markisenbreite (grösser als 1.20 m) aus mehreren Gewebebahnen oder Schnitteilen einer Bahn zusammengenäht, „verbahnt“.
Beide hier kurz beschriebenen Warenarten nun weisen erhebliche Unterschiede zueinander auf, verbunden mit Vor- und Nachteilen, die bereits seit Jahren auf dem Markisenmarkt einen Streitpunkt darstellen.
Die Unterschiede betreffen die Parameter:

  • Herstellungskosten
  • Fehleranfälligkeit infolge der Warenart
  • Stabilität des montierten Markisentuches und
  • Beständigkeit im Aussehen (Haltbarkeit)

Dies bedeutet im einzelnen:

Bei einem Tuch aus Breitware entfallen die Nähte innerhalb des Tuches; es wird Arbeitszeit, Material für Stoffdoppelung und Nähgarn gespart. Je nach Dessin mag somit ein Tuch aus Breitware optisch besser aussehen als ein verbahntes. Beim Herstellungsprozess einer Webware auftretende Abweichungen von einem qualitativ einwandfreien Tuch, Fehler oder Ungleichmässigkeiten im Schussgarn und schussbogige Ware durch z.B. unsachgemässe Warenführung im Spannrahmen, führen bei der Breitware eher zu II. Wahl-Ware und entsprechenden Unkosten. Eine stellenweise auftretende Schussfehlerhäufigkeit oberhalb verkaufbarer Toleranzgrenzen führt bei der Bahnenware zu einem Materialverlust von 1,20 m Breite, bei Breitware jedoch bis zu 3,25 m Breite. Die technisch einwandfreie Fertigung (Konfektion) einer Markise setzt möglichst genaü Rechtwinkeligkeit von Kett- und Schussfäden voraus. Geringe Abweichungen werden bei Normalware durch die Verbahnung noch kompensiert (Faltenausgleich von Naht zu Naht); sie führen aber bei der nahtlosen Markise aus Breitware zu technischen Schwierigkeiten beim Ab- und Aufrollen durch eine sich verziehende Ware, vor allem nach Belastung von etwa Regenwasser.
Die Nähte einer Markise aus Normalware stellen neben der Verbindung der Gewebekanten durch die Stoffdopplung und den „Zusatz“ von Nähgarn zusätzlich einen Stabilisierungsfaktor dar. Belastungen einer ausgefahreren Markise durch Winddruck: Das Schlagen im Wind kann besser aufgefangen werden als bei den aus Breitware gefertigten Markisen. Saumnähte an den Seitenkanten einer Bahnenmarkise, Schweisskanten bei einer Breitmarkise – Voraussetzung für ein ausgeglichenes Aufwickeln der Tücher auf die Tuchwelle – ergänzen diese Wareneigenschaft. Hinzu kommt, dass bei den Tüchern aus Normalware die Hauptbelastung in Ausfallrichtung von den Kettfäden (30 Fäden/cm) getragen wird. Die um 90 Grad gedrehte Verarbeitung der Breitware lässt dagegen die halb so dichte Schussfadenzahl (15 Fäden/cm), somit einen um 50% reduzierten Festigkeitsanteil die Hauptbelastung übernehmen. Hier ist die Bedeutung einer Entscheidung für ein Garn aus einem Faserstoff mit möglichst hoher Festigkeit gerade im Schuss zu erkennen, berücksichtigt man den zusätzlichen Festigkeitsabbau bei jahrelangem praktischen Einsatz. Aufgrund der benannten Beschaffenheit einer Markise aus Bahnenware – Nähte, Saum, Kette in Hauptlastrichtung – kann sie die strapazierenden Einflüsse in der „Praxis“ besser aushalten und bewahrt somit länger als eine Markise aus Breitware – nahtlos geschweisste Kante, Schuss in Ausfallrichtung – ihr optisches Erscheinungsbild.

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